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Philipp Semlic: Mit modernem Trainingsmanagement zum nächsten Romano Schmid [Exklusiv]

STEYR,AUSTRIA,17.JUL.20 - SOCCER - HPYBET 2. Liga, Vorwaerts Steyr vs SV Lafnitz. Image shows head coach Philipp Semlic (Lafnitz). Photo: GEPA pictures/ Christian Moser

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(C) GEPA Pictures

Der SV Licht Loidl Lafnitz erlebt derzeit fußballerische Höhenflüge. Der Trainer Philipp Semlic übernahm im Winter 2020 und ist nicht nur Coach, sondern auch Sportchef. Über seine Herangehensweise hat sportsbusiness.de mit ihm gesprochen.

sportsbusiness.de Exklusiv von Georg Sander

Der kleine SV Lafnitz aus dem gleichnamigen 1.500-Einwohner-Dorf liegt aktuell auf Rang zwei der 2. Liga, an der Schwelle zur nationalen Spitze. Einer der Hauptverantwortlichen: Philipp Semlic. Der 37 Jahre alte Steirer hängte die Fußballschuhe mit 27 Jahren an den Haken und entschied sich, auf Basis seines Sportstudiums Trainer zu werden. Semlic war vor seinem Engagement beim SV Lafnitz unter anderem bei Hartberg als Sportchef bis zu den Amateuren tätig sowie in der Akademie des SK Sturm Graz. Das heißt, er kennt so gut wie alle Ebenen des Coachings. Im Interview mit sportsbusiness.de teilt er seine Eindrücke aus einem Jahrzehnt Trainertätigkeit.

„In der Akademie bei Sturm Graz hatte ich einen Co-Trainer, einen Tormanntrainer und einen Sportwissenschaftler im Team. Jetzt in Lafnitz, in Relation zur Bundesliga nicht auf dem allerhöchsten Niveau, habe ich zwei Co-Trainer, einen Sportwissenschaftler, einen Analysten, einen Tormanntrainer und einen Teammanager. Da sieht man schon, dass es in der 2. Liga des Fußballbusiness nicht nur um Spieler geht, sondern auch darum, ein Team um das Team herum zu führen“, gibt Semlic Einblicke. In der Akademie stehe die Arbeit mit den Spielern und deren Entwicklung im Vordergrund. Schon beim TSV Hartberg in der Regionalliga war es mehr, wird stets komplexer. Bei Lafnitz ist der 37-Jährige nicht nur Trainer, sondern auch für das Kadermanagement zuständig und auch für die zweite Mannschaft verantwortlich. Für den Nachwuchs hat jemand anderer im Verein die Verantwortung. Das Hauptaugenmerk von Semlic liegt vor allem auf der Kaderzusammenstellung.

Da sieht man schon, dass es in der 2. Liga des Fußballbusiness nicht nur um Spieler geht, sondern auch darum, ein Team um das Team herum zu führen.

Philipp Semlic

Der starke Mann

Wie bei nicht wenigen kleineren Fußballklubs hat auch Lafnitz mit Bernhard Loidl von der gleichnamigen Firma einen finanziell starken Mann im Hintergrund. So mancher Präsident redete in Aufstellungen hinein und gefiel sich in der Rolle des Zampanos.

Das ist in Lafnitz laut Semlic anders: „Er ist das Herz des Vereins, ohne ihn wäre Profifußball nicht möglich. Er hat den Klub aus der sechsten Spielstufe in die 2. Liga geführt.“ Der Verein fußt auf ehrenamtlichen, treuen Mitarbeitern. Semlic beschreibt ein familiäres Umfeld. Ein gutes Händchen dürfte Bernhard Loidl haben: Ex-Trainer Ferdinand Feldhofer, Vorgänger von Philipp Semlic, zeigt mit dem WAC in der Europa League auf. „Über die Kaderzusammenstellung tauschen wir uns aus. Wir diskutieren über die Spieler, am besten über jene aus der Region.“

Die 2. Liga war vor Jahren noch eine Profiliga, ist nun amateurhafter, näher an der drittklassigen Regionalliga. Corona hat viel verändert, es gab wohl im Sommer noch mehr Spieler, die man holen hat können. „Es hat sich schon verändert“, denkt Semlic an die Zeit nach dem Zweitligaabstieg von Hartberg zurück, „in der Regionalliga hatten wir nicht viele Spieler. Ich war Amateurtrainer und mit Erich Korherr haben wir Christian Ilzer geholt und er hat seine Kontakte spielen lassen. Jetzt ist das sehr anders. Der Pool an Spielern ist viel größer. Vor drei Jahren war Lafnitz nicht attraktiv für Spieler. Jetzt gibt es viele Manager, die ihre Spieler hier anbieten, weil sie wissen, dass sich die Kicker hier gut entwickeln können.“ Somit ergebe sich ein anderer Zugriff auf Spieler. Wichtig in dem Zusammenhang: „Klare KPIs, was diese auf den jeweiligen Positionen können müssen.“ Dementsprechend müsste man auch scouten.

Vor drei Jahren war Lafnitz nicht attraktiv für Spieler. Jetzt gibt es viele Manager, die ihre Spieler hier anbieten, weil sie wissen, dass sich die Kicker hier gut entwickeln können.

Philipp Semlic

Scouting 2.0

Beinahe täglich rufe er Manager zurück. Denn Spielerverpflichtungen laufen anders ab, nicht zuletzt wegen der Digitalisierung: „Ich sage dann immer: Schaut’s, ich ruf euch zurück.“ Semlic beschreibt diese so: Plattformen wie Instat oder Wyscout wären enorm wichtig und die Zukunft. Die Gefahr sei aber, dass es eine Unmenge an Daten gebe. Er kenne seine KPIs für die jeweiligen Positionen. Wenn diese laut Datenbank passen, folgt das Videostudium. Erst dann nehme er Kontakt zum Spieler auf: „Passt der von der Denkweise, der Mentalität zu mir oder nicht?“ In der 2. Liga wären die Daten allerdings noch nicht auf „Topniveau“, für eine Orientierung sei es aber super. „Daten und Videos unterstützen. Für mich ist es aber auch wichtig, den Spieler im Wettkampf zu sehen.“ Erst so könne man wirklich sehen, ob das Gesamtpaket passt.

Im modernen Fußball spielen aber noch mehr Ideen eine Rolle. Sei es in der Akademie bei Sturm oder bei einem Zweitligist. Denn ein Spieler ist gewissermaßen auch eine Wertanlage. „Im besten Fall bringt ein Spieler einem Verein auch Geld“, erklärt Semlic dazu. Er ortet aber gerade im unterklassigen Bereich auch Einschränkungen: „Die Problematik ab der 2. Liga ist, dass es oft keine langfristigen Verträge gibt. Es gibt Ein- oder Zweijahresverträge.“ In Lafnitz waren Einjahresverträge Usus.

Da wirkte er auf den Mäzen ein, dass es für den nächsten Schritt wichtig sei, die Vertragslaufzeiten zu erhöhen: „Um eine Entwicklung zu haben, etwa als Sprungbrett für junge Spieler Richtung Bundesliga, dann muss der Verein schon auch etwas davon haben.“ Allerdings sei das auch ein Spagat, der schwierig zu meistern wäre, wirtschaftlich sei vieles ein bisschen unsicher in der 2. Liga: „Aber im besten Fall hole ich einen jungen Spieler, er bekommt einen Dreijahresvertrag, er entwickelt sich, hilft mir und wechselt nach zwei Jahren.“

Nachhaltigkeit ein Thema

Lange Zeit war es eben so, dass die Einjahresverträge state of the art waren. Wer nachhaltig denken will, muss es eben wagen, mittels gutem Scouting die Spieler zu entdecken, bei denen es sich auszahlt, sie länger zu verpflichten. Semlic meint, das wäre jedenfalls noch etwas, wo es für die 2. Liga Entwicklungspotential gebe. Die Qualität bei Spielern und Trainern sei gegeben: „Wenn ich Zeit, Geld und Energie in den Spieler investiere, dann sollte der abgebende Verein etwas davon haben.“ Natürlich zähle das Ergebnis am Wochenende, aber er sage auch seinen Spielern, dass es ihm um Weiterentwicklung ginge. Ein positives Beispiel: Romano Schmid, den er in der Akademie trainiert hatte.

Wer weiß: Vielleicht entwickelt Philipp Semlic in Lafnitz schon bald den nächsten Romano Schmid. Es wäre jedenfalls ein Ergebnis von harter Arbeit gepaart mit moderndem Trainings- und Klubmanagement.

Lese-Tipp

>> Über die fußballerischen Gründe für den Lafnitzer Erfolgslauf hat Philpp Semlic mit 90minuten.at gesprochen


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