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„Viele unserer Vereine trocknen finanziell aus“

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(C) Sport Austria / Leo Hagen

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag verlangte Sport-Austria-Präsident Hans Niessl abermals eine rasche Umsetzung der finanziellen Hilfe für Österreichs Sportvereine. Die Sportsprecherin der Grünen zeigt sich darüber verwundert.

Österreichs 15.000 Sportvereine erbringen nicht nur in ihren Sportarten beeindruckende Leistungen, sondern sind auch wichtig für Gesundheit, Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt. Die Coronakrise macht vielen von ihnen schwer zu schaffen. Zahlungen aus dem vom Nationalrat bereits beschlossenen 700 Millionen Euro-Hilfspaket werden ebenso sehnsüchtig erwartet wie praxistaugliche Konzepte zur Wiedereinführung von Spielbetrieben bzw. Wettbewerben. Inzwischen drohen Saisonausfälle, insbesondere von Hallen-Mannschaftssportarten. Um diese abzuwenden, sind in vielen Fällen nur noch rund zwei Wochen Zeit.

Vereinsauflösungen?

„Vereinsauflösungen oder Fusionen sind realistisch, Obleute befinden sich bereits in der privaten Haftung. Aktivitäten im Spitzen- wie im Breitensport, insbesondere in der Nachwuchsarbeit, sind gefährdet. Für viele könnte es bald „Game over“ heißen!“, heißt es dazu in einer Aussendung von Sport Austria.

Dass der Sportbetrieb per 16. März stillgelegt werden musste, war aus gesundheitspolitischer Sicht natürlich logisch und richtig, hatte aber für Vereine dramatische Folgen. Veranstaltungen, Meisterschafts- und Ligabetrieb, Vereinsfeste etc. konnten nicht stattfinden oder wurden abgebrochen. Damit fielen die Einnahmequellen neben Mitgliedsbeiträgen und Sponsoren weg. Keine Eintrittsgelder, keine Kantinenumsätze, keine Nenngelder – diese Einnahmenausfälle sind nicht aufzuholen, die Nachwirkungen insbesondere beim Sponsoring noch nicht abzuschätzen. Deshalb hatte Sport Austria ein Kraftpaket von mindestens 100 Millionen Euro als Soforthilfe angeregt. Hilfsgelder wurden auch bis Ende April zugesagt, tatsächlich gab es vom Bund bis dato keinen Cent. Aktuell werden noch Richtlinien ausgearbeitet.

Dabei laufen Fixkosten wie Miete/Pacht, Strom, Gas und Personal natürlich weiter. Da gemeinnützige Vereine abgabenrechtlich keine Gewinnerzielungsabsicht haben dürfen, können sie kein Eigenkapital aufbauen. Somit gibt es auch keine Rücklagen, um Kosten abzudecken. Auch wenn ein Verein Kurzarbeit angemeldet hat, ist teilweise noch kein Geld geflossen. Zur Vorfinanzierung fehlen die Mittel, Kredite für Vereine sind kaum bis nicht möglich. Ehrenamtliche sind in der privaten Haftung. Umso wichtiger ist es, dass es nun rasch zu Auszahlungen aus dem NPO-Hilfsfonds kommt.

Statements von Sport Austria-Präsident Hans Niessl:

„Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten konstruktive Gespräche mit dem Sportministerium geführt, unser Know-How eingebracht, Kriterien entwickelt und sind dabei auch auf großes Verständnis gestoßen. Das war alles okay, jetzt ist aber keine Zeit mehr zu verlieren. Die Auszahlungen aus dem 700 Millionen Euro NPO-Hilfspaket müssen rasch erfolgen! Viele unserer 15.000 Sportvereine sind dabei finanziell auszutrocknen. Zwar wissen sie nun, wo es Wasser geben wird, aber leider noch immer nicht, wann es fließen wird. Auch so kann man verdursten!

Wir benötigen daher rasche Auszahlungen aus dem 700 Millionen Euro NPO-Hilfsfonds samt Entschädigung für Einnahmenausfälle sowie eine MwSt.-Senkung beim Ticketing von 13% auf 5% – wie bei der Gastronomie, der Kultur und den Medien. Außerdem braucht der gesamte Sport – also auch der Amateur- und Nachwuchsbereich – dringend eine Perspektive. Zwar sind Kontakt- und Kampfsport im Spitzensportbereich unter Einhaltung eines Präventionskonzepts seit 15. Juni prinzipiell wieder möglich, eine Umsetzung dieses Konzepts ist aber nach derzeitigem Stand praxisfern, da für viele schlichtweg zu teuer. Wenn es hier nicht bis Ende Juni eine offiziell kommunizierte, einfacher umzusetzende Perspektive gibt, besteht die realistische Gefahr, dass viele Ligen gar nicht mehr organisatorisch vorbereitet werden können!

Dann könnte es tatsächlich in vielen Sportarten zu einem totalen Saisonausfall kommen! Es gibt viele Beispiele aus Nachbarländern, wo bereits jetzt uneingeschränkt trainiert und Bewerbe gespielt werden können, ohne dass SpielerInnen vorher getestet werden müssen. Wobei freilich immer klar ist, dass bei einem eventuellen Wiederanstieg der Infektionszahlen gegengesteuert werden muss. Contact Tracing wäre im organisierten Sport jedenfalls einfach umzusetzen.

Der organisierte Sport hat in den vergangenen Monaten vieles erreicht: Nicht nur die Zusage für Auszahlungen aus dem 700 Millionen-Hilfspaket, sondern auch den Re-Start des Sportunterrichts in Schulen und die Wiederöffnung der Schulsportstätten für Vereine. Ebenfalls wichtige Punkte sind die Corona-Kurzarbeit für den gemeinnützigen Sport, die Corona-Regelung für die Pauschale Reiseaufwandsentschädigung und die Möglichkeit, dass auch Vereine mit angeschlossener Kapitalgesellschaft Corona-Hilfe beantragen können. Das alles ist gut und schön, aber um Österreichs Sport in gewohnter Weise am Leben zu erhalten, braucht es jetzt Auszahlungen und praxistaugliche Perspektiven für Spielbetriebe und Veranstaltungen.“


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Grünen-Sportsprecherin reagiert

Grünen-Sportsprecherin Agnes Sirkka Prammer zeigte sich gegenübe der APA über einige Aussagen erstaunt. „Die Bundes-Sportorganisation und ihr Präsident Hans Niessl sind jederzeit eingebunden gewesen. Sowohl in die Erarbeitung der Richtlinien für den NPO-Hilfsfonds als auch hinsichtlich der Lockerungsmaßnahmen für den Sport. Sie konnten sich jederzeit einbringen und haben das auch getan.“

Niessl wisse, dass der NPO-Hilfsfonds und damit das Hilfspaket für den Sport unmittelbar vor der Umsetzung stehe. „Es ist ihm sicherlich auch bekannt, dass in vergleichbaren anderen Ländern noch kein Geld geflossen ist, weil es rechtsstaatliche Prinzipien gibt, die eingehalten werden müssen, und diese Prozesse Zeit brauchen.“ Zudem würden in wenigen Tagen weitreichende Lockerungen für den Sport bekannt gegeben werden. „Warum er diese Information den Vereinen vorenthält, so tut, als ob ihm all das unbekannt sei, bleibt sein Geheimnis.“

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