Im Rahmen des Krone Leadership Days sprach sportsbusiness.de mit Georg Kofler, ehemaliger Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender von ProSieben und später dann Vorstandsvorsitzender von Premiere, über den Einstieg mit Sportrechten von Canal+ in Österreich, den geplatzten Investorendeal der Deutschen Fußball Liga und warum er mit einem leichten Rückgang der Medienerlöse bei der DFL rechnet.
++ sportsbusiness.de exklusiv – das Gespräch führte Michael Fiala ++
Georg Kofler …
… über Canal+ in Österreich: „Canal+ geht hier sehr fokussiert vor. Das ist auch keine spektakuläre Einzelaktion, sondern eingebettet in eine gut durchdachte Struktur. Das ist alles sehr bodenständig, was sie hier machen mit den vielen verschiedenen, kleineren und größeren Märkten. Ich glaube, dass die Champions League in Österreich eine Eisbrecherfunktion haben könnte. Es wird viel darüber geredet und das wird sich auch in Abos konvertieren lassen. Wie schnell das funktioniert, bleibt abzuwarten. Insgesamt für den Medienstandort Österreich ist es eine positive Nachricht.“
… über die Bereitschaft in Österreich, für Pay-TV Geld auszugeben: „Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat in Österreich eine viel stärkere Funktion als in anderen Ländern. Privatwirtschaftliches Pay-TV hat es daher schwerer, um ins Bewusstsein der potenziellen Konsumenten zu kommen. Am Ende des Tages hängt es ausschließlich von der Exklusivität und der Qualität des Produktes ab. Da habe ich bei Canal+ aber keine Zweifel.“
Privatwirtschaftliches Pay-TV hat es daher schwerer, um ins Bewusstsein der potenziellen Konsumenten zu kommen. Am Ende des Tages hängt es ausschließlich von der Exklusivität und der Qualität des Produktes ab. Da habe ich bei Canal+ aber keine Zweifel.
Georg Kofler
… auf die Frage, ob der Pay-TV-Markt in Österreich noch erweiterbar ist, oder ob es ein Verdrängungswettbewerb ist: „Es ist noch Wachstum möglich, aber der Kuchen wird zunehmend auf mehr Anbieter verteilt. Es ist daher eine Frage, wie effizient sich die Anbieter aufstellen. Hier sind gute Marketingstrategien gefragt. Durch die Internationalität von Canal+ sehe ich hier gute Möglichkeiten. Als rein österreichischer Anbieter wäre es schwierig.“
… über die Absage des Investorendeals in Deutschland: „Ich finde es schade, dass dieser Deal geplatzt ist. Ich glaube, dass dieser Investor der DFL gut getan hätte, nicht nur wegen des Geldes, sondern weil auch ein Blick und Know-How von außen gekommen wäre. Die Auswirkungen werden so sein, dass die DFL in den kommenden Jahren im Vergleich zu anderen großen Ligen mit weniger Geld auskommen muss. Das ist sicherlich ein Nachteil für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Profifußballs.“
Natürlich schwingt aber die Super League jetzt stärker hinein als früher. Insofern darf man natürlich über die weitere Entwicklung der Solidarität in der DFL gespannt sein.
Georg Kofler
… darüber, ob der deutsche Klubfußball dadurch vor einer Zerreisprobe steht: „Die Diskussion über die Gesamtvermarktung der Bundesliga hatten wir immer schon. Es gab immer wieder Argumente und Bestrebungen der größten Klubs in Deutschland, hier den nächsten Schritt zu gehen und die Solidarität in Frage zu stellen. Am Ende war die Solidarität dann immer noch das wichtigste Argument, um den Fußball als Ganzes nach vorne zu bringen. Das wird auch jetzt so bleiben. Natürlich schwingt aber die Super League jetzt stärker hinein als früher. Insofern darf man natürlich über die weitere Entwicklung der Solidarität in der DFL gespannt sein.“
… über die Neuausschreibung der Medienrechte der DFL: „Ich glaube, es wird schwierig werden, das aktuelle finanzielle Niveau zu halten. Pay-TV-Sender in Deutschland sind mit der Höhe der Lizenz- und Produktionskosten tendenziell überfordert. Die Wirtschaftlichkeit kann für eine kurze Zeit von ein, zwei, drei Jahren hinten an gestellt werden, um Marktanteile aufzubauen, aber dann muss es sich ins Positive drehen. Natürlich gibt es auch andere Anbieter auf dem Markt, Stichwort Telekom, Amazon, etc., aber deren Kerngeschäft ist nicht das Mediengeschäft. Für die sind Sportrechte etwas salopp gesagt ein erweitertes Kundenservice. Mit Querfinanzierung ist so etwas möglich. Wenn man nur auf das Mediengeschäft angewiesen ist, ist es aktuell schwierig. Meine Prognose ist daher, dass es schwer wird, das Niveau der aktuellen Rechteperiode zu halten. Ich rechne mit einem leichten Rückgang von einigen Prozent.“